‘Maybe we Dutch can moderate better’


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Our chairman Wienke Bodewes is an expert in urban development and architecture and is considered one of the most renowned port experts in Europe. He has helped to shape the ports of Rotterdam and Amsterdam, whose transformation away from a pure container port has been accompanied by his work. In an interview in DIE ZEIT he explains why Hamburg has to rethink.

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“Vielleicht können wir Holländer besser moderieren”

Der Niederländer Wienke Bodewes ist Experte für Stadtentwicklung und Architektur und gilt als einer der renommiertesten Hafen-Experten Europas. Die Häfen von Rotterdam und Amsterdam hat er mitgeprägt, deren Wandel weg vom reinen Containerhafen begleitet. Im Gespräch mit Autor Moritz Herrmann erklärt er, warum Hamburg umdenken muss.

ZEIT ONLINE: Herr Bodewes, wegen Corona ist im ersten Halbjahr 2020 der Hafenumschlag in Hamburg eingebrochen. Den Häfen in Rotterdam und Antwerpen geht es ähnlich schlecht. Gibt es trotzdem Anzeichen für Hoffnung?

Wienke Bodewes: Die Pandemie zeigt den Häfen, wie fragil ihr Geschäft ist, wie abhängig von den Weltläufen. Man hat sich zu sehr an das Mantra gekettet: wachsen, wachsen, immer nur wachsen. Aber warum nicht Corona als Weckruf verstehen? Das muss nicht nur die Zeit der Krise sein, auch die des Neuanfangs. Man sollte spätestens jetzt damit anfangen, einen Hafen anders aufzustellen. Einen Plan B zu entwickeln. Den sehe ich aber nicht überall.

ZEIT ONLINE: In Hamburg gibt es Ideen für so einen Plan B durchaus. Die Grünen reden davon, den Hafen klimaneutral zu machen und Wasserstoff zu produzieren. Der richtige Weg?

Bodewes: Das kann ein Weg sein. Man muss diversifizieren. Dabei muss man aber trotzdem die langjährige Erfahrung und das Fachwissen der aktuell ansässigen Firmen nutzen. Rotterdam hat andere Branchen in den Hafen geholt, Start-ups in alte Lagerhallen einquartiert. Firmen aus dem digitalen Sektor helfen, die alten Branchen zu befruchten. Sie brauchen weniger Platz, machen wenig Lärm und Schmutz. Wer die Kraft eines Hafens nur in umgeschlagenen Containern misst, ist altmodisch. Rotterdam etwa ist der größte Hafen in Nordwesteuropa, am Umschlag bemessen. Schaut man aber auf den Wert der ansässigen Firmen, stellt man plötzlich fest: Da ist Antwerpen auf einer Stufe mit Rotterdam. Es geht also nicht darum, der größte Hafen zu sein, es geht darum, der erfolgreichste Hafen zu sein.

ZEIT ONLINE: Der Hamburger Hafen ist ein Stadthafen, als solcher kann er nur noch begrenzt wachsen. Verteilungskämpfe sind die Folge. Der Quadratmeter kostet im Hafen derzeit 4,61 Euro.

Bodewes: In Amsterdam haben wir ein Hafenareal mitentwickelt, da war der Platz auch begrenzt. Und natürlich hätten wir einfach an den höchsten Bieter vergeben können. Haben wir aber nicht. Wir wollten keine Riesen und keine Ketten, wir wollten Player, die was für die Nachbarschaft tun. Logisch, ein Mindestpreis muss bezahlt werden, aber im Bereich darüber sollte man strategisch vergeben und nicht nur nach Rendite. In Overhoeks haben wir das jetzt schon ikonische Filmmuseum EYE angesiedelt, und dessen Kulturwirkung strahlt seither konzentrisch ins Viertel aus und hat die Stimmung maßgeblich beeinflusst.

ZEIT ONLINE: In Hamburg wird gerade die neunte und letzte Elbvertiefung vorgenommen. Ihr sind zehrende Kämpfe vor Gericht vorausgegangen.

Bodewes: Ich bin für totale Offenheit. Offen zu sagen, was man machen will und wie der Zeitplan aussieht. Es geht darum, Erwartungen zu moderieren. Hinter Klagen stecken Ängste, die muss man verstehen. Manchmal sind die Ängste auch anlasslos. Wenn man nicht zuhört, verstärkt man aber nur das Gefühl: Ich liege richtig mit meiner Angst, die wollen alles kaputtmachen. Darüber hinaus werden Pläne oft auch besser, weil Profis auch Dinge übersehen.

ZEIT ONLINE: Können die Niederländer das besser, dieses Moderieren von Großprojekten, gerade auch beim Hafenausbau?

Bodewes: Als Rotterdam vor einigen Jahren Maasvlakte II bauen ließ, die gewaltige Erweiterung des Hafens, hat man alle an einen Tisch gebracht, Umweltorganisationen, Kaufleute, Bürgerinitiativen. Ein anderes Beispiel: Wir sollten Brownfield in Amsterdam entwickeln, ein wirtschaftlich geprägtes Hafenareal, ziemlich verrufen. Auch da wollte erst mal niemand, dass wir bauen. Menschen mögen Veränderung nicht. Also haben wir die Menschen eingeladen.